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Unberührbares berühren.
„Wenn wir die leibliche Erfahrung verweigern, kann die Einsicht nicht aufsteigen.“

Unberührbares berühren. Gehaltenes entladen.
Wir haben oft Angst, oder? Vor dem, was um uns herum geschieht oder was geschehen könnte. Aber letztlich und vor allem vor dem, was in uns (gehalten) ist. Was sich vielleicht zeigen könnte, wenn es gesehen und berührt würde. Diese kleine Black Box in uns. Fest verschlossen durch Scham und Angstgeschichten.
Puhhhhh! Das kostet so viel Kraft, da ständig den Finger drauf zu haben, löst so viel Kampf und Kämpfen aus. Kontakt mit anderen findet dann nur über den Kopf statt und innen bleibt es einsam und irgendwie so trocken.
Ich durfte es vor einigen Tagen erst wieder selbst spüren: In die innere Trockenheit, sandte Gott mir heftigste Körperschmerzen. Erst durch die Schmerzen konnte Jesus‘ Frage: Katrin, WO bist Du hin? in mein Herz crashen und meine Black Box sprengen. Wo bist Du? Und ich bemerkte: Ich war gar nicht mehr da! Ich war davon galoppiert mit Perfektionismus und Kontrollsucht. „Ich schaff das schon alleine. Ich muss, ich kann, ich sollte“ Das hatte ich nicht bemerkt oder ich wollte es erstmal nicht bemerken, denn das tut (erstmal) richtig weh.
Wenn heilsame oder liebevoll zugewandte Präsenz Dich berührt, dann werden auch Deine Muster, die sich über Überforderung und alten oder neuen Schmerz gelegt hatten aufleuchten – wie die Neon Reklame bei meinem Vietnamesen gegenüber. Sie werden spürbar und wollen auch durch den ganzen Körper gespürt und befreit werden. Durch Tränen, durch Tönen, in stiller Ehrlichkeit, in Scham spüren und in Kraft wandeln so wie durch tiefes Ruhen.
Wenn wir die (leibliche) Erfahrung verweigern kann die Einsicht nicht aufsteigen.
Wie ein Ent-laden von Gehaltenem aussehen kann, beschreibe ich in einem Beispiel im Folgenden.
Unberührbares berühren – Ein Beispiel aus der Kleingruppe.
Gehaltenes Ent-laden.
„Eine Woge der Ungeduld scharrt mit unsichtbaren Hufen durch Deinen Leib,
eine Schwere, die sich tiefer nach innen in Deinen Leib ziehen möchte.
Warte, sage ich, wenn die Ungeduld Dich aus dem Zimmer laufen lassen möchte. Warte! Bleib’ da!
Dann ein erstes leichtes Zittern der unteren Glieder, mit bloßem Auge nur zu erahnen.
Bis es eine Erlaubnis gibt.
Durch einen Atemzug
Durch eine Hand, die sagt: „Ich bin da. Du bist jetzt in Sicherheit.“
Durch das eingestimmte Feld unserer kleinen Gruppe. Eingestimmt auf den Atem des Lebens, der heilen Schöpferquelle.
Ein Schluchzer reisst sich los von dieser lang lang eingefrorenen Umklammerung.
Das Zittern Deiner Beine nun ein sichtbarer Sturm. Der Atem in Deinem Bauch.
Wir lassen es stürmen. Wir bezeugen diese Lösung, diese Kraft – ohne Angst. Unser schweigendes Begleiten spiegelt Dir: „Du schaffst das! Du kannst das!“ Das ist ERMÄCHTIGEND! Das ist ein FEST!
Folge meinem Finger, sage ich Deinen Augen, die noch halten halten halten. Sie fragen: „Ist das Festhalten nicht sicherer? Muß ich nicht Angst haben vor dem, was dann passiert?“
Aber sie folgen brav meinem Finger, der etwas Abstraktes in die Luft malt… undDeine Arme zucken auf, Dein Brustkorb öffnet sich für die Welle und schon bald erzittert es auch hier. Wie ein Lachen.
Wir sind da. Wir sehen Dich.
Aus Angst wird Überraschung. „Ist das etwa all das Dunkel in mir, all das Schreckliche, von dem mein Kopf mir sagte: Geh’ da bloss nicht hin!? Ist das, was mein Kopf in Zorn oder Ungeduld meiner Umwelt oder gar mir selbst gegenüber abspaltet?“
Ich frage: „Wie ist es jetzt?“ Und Du sagst mit Staunen: „Es ist besser! Da ist Weite. Da ist Kraft in meinen Beinen. ICH bin DA!“
„Laß’ Dich diese Kraft spüren und dann schau mal in die Runde……schau’ mal jeden, jede an, der/die hier mit Dir da ist …“
Durch Dein Schauen darf sich Deine Kraft nun überall in Deinem Körper verteilen und setzen. Du verlierst Dich nicht mehr in der Verbindung mit anderen, noch musst Du Dich hart machen. Eine Verbundenheit, die keinen Kampf mehr benötigt.
Das Feld ist nun friedlich. Wie nach einem schweren Gewitter hat sich all das, was dicht, drängend und komprimiert war aufgelöst. Ich mache das Fenster auf und wir machen uns freudvoll einen Tee.
Kleiner Proportioniert
Entladung kann zunächst auch ganz klein proportioniert daher kommen: Über ein befreites Gähnen, über eine Gänsehaut, über ein paar stille Tränen, über ein inneres feines Zittern oder Zucken, über ein Kälte/Wärme – Empfinden. Es löst sich, was sich lösen möchte, wenn es spürt: Hier bin ich sicher. Hier bin ich gehalten.
Egal wie eine Entladung aussieht, sicher ist: Danach fühlst Du Dich voller, lebendiger, verbundener. Die Lebenssäfte fliessen und Du wirst sichtbarer – das braucht dann kein Konzept dazu. Es passiert einfach, weil Du beginnst in Deiner wahrhaftigen Frequenz zu schwingen.
Auf-laden statt Ent-Laden? Nachnähren von frühen Erfahrungen.
Und manchmal geht es in unseren Begegnungen nicht um Ent-ladung, sondern um eine Art Auf-ladung. Also in erster Linie um ein Erleben von Sicherheit und ein Nachnähren, von dem was in Deiner ganz frühen Zeit fehlte. Das kann so aussehen, daß ich bzw. wir als Gruppe mit Dir erforschen: Wann fühlst Du Dich eindeutig sicher und geborgen? Und dann kann es sein, daß wir 1-2 Stunden so da sind, damit ‚Dein System‘ sich damit aufladen kann und eine neue Geschichte schreiben kann.
Erst wenn unser Nervensystem heilt, ist es uns möglich Verbundenheit über unser Herz zu erleben.
Wie immer mit viel Segen,
Katrin Kelly










